Sie sind einfach genial! Wer es versteht, ihr Auswehverhalten richtig zu deuten, wird erfolgreich Segeln.
Woll- und Spinnakertuch-Windfäden sind preisgünstig und zeigen die aerodynamischen Verhältnisse in den Segeln perfekt an.
Drei, etwa 20 Zentimeter lange und ein bis zwei Zentimeter breite Spinnakertuch-Streifen werden - gleichmäßig über die obere Hälfte des Achterlieks verteilt - sicher befestigt, sprich: angenäht.
Diese Fäden signalisieren, wenn ein Großsegel zu dicht geholt, oder zu sehr verwunden getrimmt wird. Bei einem ordnungsgemäß geschoteten Großsegel wehen die beiden unteren Fäden waagerecht nach achtern. Der obere wird wechselweise ebenso, oder in Lee nach vorn flattern. Ist die Schot zu gering dichtgeholt, dann wird auch der obere Faden ständig nach achtern wehen. Bei zu sehr gespanntem Achterliek (Schot zu dicht) werden auch der mittlere und gar der untere Fäden nach Lee und nach vorn umklappen.
Ist ein Großsegel extrem geöffnet, verwindet es nach oben hin zu sehr. Selbst der obere Windfaden weht (ständig) nach achtern. Bei einem solchen Trimm geht im oberen Segelbereich Vortrieb verloren.
Klappen die Windfäden im Achterliek eines Großsegels in Lee des Segels nach vorn, dann stolpert der Wind quasi über das Achterliek, Vortrieb geht verloren. Die Schot ist dann zu dicht geholt worden.
Sechs Spinnakertuchstreifen, drei auf jeder Seite im Vorlieksbereich signalisieren dem Rudergänger den Einfallswinkel des Windes auf das Vorsegel. Auch lassen sich diese sehr wirkungsvoll für die richtige Einstellung der Schot-Holepunkte nutzen.
Man findet in der Regel je drei, etwa 15 Zentimeter lange Spinnakertuchstreifen über die Vorliekslänge verteilt beidseitig im vorderen Segelbereich aufgeklebt, Abstand zum Vorliek etwa 30 bis 50 Zentimeter.
Zur Funktion: Steuert der Rudergänger bei leichtem bis mäßigen Wind auf einem Amwind-Kurs im richtigen Winkel zum Wind und stimmt der Schot-Holepunkt, dann werden alle sechs Wollfäden annähernd waagerecht nach achtern flattern. Läuft das Boot jedoch zu hoch, dann beginnen die Luv-Fäden unruhig nach oben, gar desolat rundum zu wehen. Die Lee-Fäden zeigen unbeirrt nach achtern. Mit zunehmendem Wind dürfen die Luv-Fäden auch zunehmend schräg nach oben zu wehen. Wichtig auch jetzt noch: Die Lee-Fäden bleiben waagerecht.
Eine Fock/Genua wird auf einem Amwind-Kurs zu weit achtern (oder oben) geschotet. Das Segel verwindet zu sehr. Die beiden Windfäden geben darüber Auskunft: Der obere flattert nach oben, während der untere nach achtern ausweht. Dieser Trimm wäre bei übertakeltem Segeln bei viel Wind zweckmäßig, um den Segel-Druckpunkt nach unten zu verlagern, um aufrechter segeln zu können.
Ist der Steuermann zu weit abgefallen, dann klappen die leewärtigen Fäden abrupt nach oben, unten oder gar nach vorn. Die Luv-Fäden zeigen dabei weiterhin nach achtern. Jetzt ist die Leeströmung abgerissen. Die vorher noch anliegende Strömung hat sich zu einem chaotischen Tubolenzwirrwar gewandelt. Der Vortrieb geht drastisch zurück. Eine ähnliche Situation ist von der Luftfahrt her bekannt. Wird ein Flugzeug "überzogen" (es fliegt zu steil nach oben, oder zu langsam), dann führt das ebenfalls zum Abreissen der Windströmung auf der Tragflügel-Oberseite.
Die Lee-Strömung an einem Segel ist weitaus wichtiger, als die in Luv. Warum? Hierzu ein Vergleich, auch wenn dieser etwas hinkt, er verdeutlicht. Ein Flugzeug fällt nicht herunter, weil die Tragflächen Winddruck von unten erhalten; vielmehr ist der erheblich stärkerer Unterdruck auf der gewölbten Tragflächen-Oberseite hierfür verantwortlich. Analoges gilt auch für die konvexe Profil-Leeseite eines Segels.
Die Windfäden können noch mehr anzeigen. Sie helfen, den richtigen Schot-Holepunkt Amwind und raumschots zu finden. Angenommen, der Amwind-Holepunkt stimmt. Geht der Rudergänger jetzt etwas zu hoch an den Wind, dann werden alle drei Luv-Fäden in gleicher Weise schräg nach oben flattern. Ist der Holepunkt jedoch zu weit vorn, dann wird der untere Faden unruhig zu wehen beginnen, während die beiden oberen nach achtern zeigen. Das Vorsegel ist im unteren Teil zu bauchig. Analoges gilt bei zu weit achtern liegendem Holepunkt. Dann ist das Segel zu offen. Dieses wird der obere Faden durch unruhiges Verhalten signalisieren, die beiden unteren wehen hingegen noch waagerecht. Der richtige Holepunkt wird an Deck markiert.
Stimmt der Raumschots-Holepunkt der Genua nicht, verwindet das Segel übermäßig nach oben hin. Der obere Wollfaden weht schräg nach oben, während der untere waagerecht nach achtern zeigt. Der Schot-Holepunkt müsste etwas nach vorn verlagert werden, um diese Verwindung zu reduzieren.
Auf Raumschots-Kursen muß der Holepunkt nach vorn verlegt werden, weil beim Fieren der Schot das Schothorn zu steigen beginnt. Die Folge: Das Segel verwindet nach oben hin. Das übermäßig geöffnete Achterliek muß wieder etwas geschlossen werden. Das läßt sich durch Holepunktverlagerung nach vorn korrigieren. Man verfährt dabei mit den Windfäden, wie auf einem Amwind-Kurs beschrieben. Beträgt z.B. der Einfaliswinkel des scheinbaren Windes 90 Grad, dann wird auch dieser Holepunkt auf der Schiene markiert, Z.B. mit der Zahl 90. Bei Vorsegel-Rollreffanlagen ist es erforderlich, daß beim Reffen der Schot-Holepunkt nach vorn verlagert wird. Denn sonst kommt Lose auf das Achterliek, das Vorsegel öffnet sich mit zunehmen der Verkleinerung der Fläche. Die Folge: Das Boot wird luvgierig, denn es reduziert sich der Segeldruck vor dem Drehpunkt des Unterwasser- Lateral-Schwerpunktes. Auch diese Holepunkte können mit Hilfe weiter achtern im Segel angebrachter Wolltäden exakt eingestellt werden. In der Praxis genügen drei Reffstufen. Diese werden beispielsweise mit Nylon-Segelnummern-Tuch am Unterliek gekennzeichnet. Zu jeder Reffstufe wird an Deck eine Markierung angebracht.
Selbstwendefocks reagieren äußerst empfindlich, wenn der Schotzug zu groß und/oder der Schot-Holepunkt falsch ist. Besonders bei diesen Segeln ist ein Spinnakertuchstreifen im oberen Bereich des Achterlieks zweckmäßig. Wird die Schot zu dicht geholt, dann schließt sich unverzüglich das Achterliek. Der Tuchstreifen weht nach Lee und nach vorn. Wird jetzt die Schot auch nur ein wenig gefiert, dann verläßt der Wind das Segel ordnungsgemäß. Der richtige Trimm ist erreicht, wenn dieser Faden und auch der obere Luv-Spinnakertuchstreifen einigermaßen nach achtern wehen.
Windfäden im Spinnaker/Gennaker sind eigentlich unnötig, da das Nylontuch derart feinfühlig ist, daß der Spinnaker/Gennaker für sich selbst spricht.
Der Fockschot-Holepunkt ist elementar wichtig für den richtigen Vorsegeltrimm.
als Faustregel gilt Achterliek und Unterliek müssen ein "gleichschenkliges" Dreieck ergeben. Die Schot sollte im gleichen Verhältnis des Achterlieks und Unterlieks zum Holepunkt gehen. sitzt der Holepunkt zu weit vorn, wird das Segel im Unterliek bauchig, im Achterliek zu stramm, liegt der Holepunkt zu weit hinten, ist es umgedreht. Unterliek zu stramm, Achterliek zu bauchig. in beiden Fällen ist ein ordentlicher Stand des Vorsegels nicht gewährleistet und damit verbunden auch kein optimaler Vortrieb.