Urk

von der Flevo Marina einen kleinen Schlag Kurs Richtung 37 Grad rund 8 NM entfernt liegt Urk.

Urk ist die letzte Hafenstadt am IJsselmeer, die überwiegend noch vom Fischfang lebt. Die Flotte bekommen Freizeitsegler jedoch nur selten zu Gesicht. Die meiste Zeit des Jahres ist sie auf der Nordsee und dem Nordatlantik unterwegs.

Früher, vor der Trockenlegung des Polders war Urk eine Insel im Isselmeer. Noch heute sage die Urker deshalb, dass sie AUF Urk sind und nicht IN Urk.

Auf dem Weg nach Urk ist bei diesigem Wetter zuallererst ein Turm mit roter Kappe Vorbote der Stadt. Seit 150 Jahren weist er Schiffen den Weg. Er scheint auf einer Klippe zu stehen. Beim Näherkommen ist dann nach und nach ein dichtes Gewirr von Ziegeldächern zu erkennen, das ihn umgibt. Davor ein hoher grüner Deich, der aus der Perspektive des Seglers aus dem Wasser emporzusteigen scheint. Vorsicht: Trotz aller Warnungen rammen Skipper nicht selten den Voormt, eine berüchtigte Untiefe genau westlich des Hafens.

Einmal von Bord, lohnt der Spaziergang durch die verwinkelten Gassen. Das Städtchen bietet sich an für eine Zeitreise in die Vergangenheit, als das IJsselmeer noch die Zuiderzee war und direkten Zugang zur Nordsee hatte. Und als Urk noch eine Insel war. Oben auf dem Platz neben dem Turm teilt sich der Besucher die Sicht auf weites Wasser mit der steinernen Statue einer Fischersfrau. "Velen in zee gebleven hier staan ze ingeschreven", steht da eingemeißelt. Erinnerung an eine Zeit, als Urk noch vollständig vom Fischfang lebte und den üblichen Zoll an Menschenleben dafür zahlen musste. Erst vor gut sechzig Jahren wurde die Insel im Zuge des Polderbaus vom Festland eingeholt. Einige Zeit zuvor hatte der Abschlussdeich, der aus der Zuiderzee einen riesigen Binnensee machte, den Urkern ihre einstigen Fanggründe genommen.

Trotz aller Zugeständnisse an den Tourismus ist Urk ein Arbeitshafen geblieben. Davon zeugen der alles überragende Kran der Metz-Werft und die Männer der IJsselmeerfischerei, die hier nach getanem Tagwerk ihre Stellnetze zupfen oder in Maschinenräumen arbeiten.

Die ehemals kargen Yachtliegeplätze mitsamt der üppigen Kneipenfront gegenüber sind mittlerweile mit modernen Versorgungsanschlüssen gespickt, die Sanitärräume erneuert. Scheut man den Trubel nicht, kann man sich an der Oosterkade einen freien Fleck suchen. Am Nieuwe Haven erhebt sich neuerdings der klotzige Backsteinbau von Het Achterhuis, wo die Urker ihre Fänge versteigern. Darüber ein Terrassen-Restaurant mit einmaliger Aussicht und Seafood jeder Art. Ein friedliches Bild, welches aber nicht darüber hinwegtäuschen soll, dass Urk am Wochenende turbulent sein kann: Die Hälfte der Einwohner ist jünger als 25 Jahre und haut mit hohem Alkoholpegel oft kräftig auf den Putz.


In Urk ist die Sonntagsruhe heilig

Das protestantisch-konservative Urk gehört zu den Gemeinden der Niederlande, in denen man strengstens auf Sonntagsruhe und andere kirchliche Gebote achtet. Das Fisch-Spezialitäten-Restaurant De Kaap bekam vor einigen Jahren großen Ärger - weil man auch sonntags zu Tisch bat. Ebenso wie dieses wurde auch das Restaurant Hai Li von den richtigen Urkern boykottiert. "Weil es Ketzer sind", lautete die Begründung, die dem Fragesteller entgegenschlug. Einem Hausarzt wurde die Zulassung in Urk verweigert, weil er "keinen protestantisch-christlichen Hintergrund hatte", wie es damals hieß. Das hinderte aber Mitglieder der Fischerei-Flotte nicht, in Urk illegal Fisch zu verarbeiten; Urk ist immerhin der größte Nordseefischereihafen Europas. Sport am Sonntag ist tabu.

also, will man Urk am Sonntag besuchen, dann sollte man Eigenverpflegung mitbringen.

www.urk.nl

 

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